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worauf zielt die kampagne gegen iom?

in der vergangenheit wurde zumeist der begriff der festung europa benutzt,
um das grenzregime zu thematisieren. auch wenn deren "dienstboteneingänge",
die funktionalität illegalisierter migration für den arbeitsmarkt,
manchesmal thema war, erscheint der begriff der festung europa letztlich zu
statisch. bezüglich der situation an den außengrenzen hat er sicherlich an
aktualität nichts verloren, doch darüberhinaus vermag er nicht recht die
moderne migrationspolitik zu fassen. die auseinandersetzung mit iom, ihren
gleichzeitigen projekten der ausgrenzung und abschiebung der "unerwünschten"
sowie der rekrutierung billiger arbeitskräfte, beinhaltet die chance, einen
aktualisierteren begriff des globalen grenz- und migrationsmanagements zu
gewinnen.

die kampagne zielt in ihren ersten schritten auf eine öffentlichmachung
dieser "intergovernmental organisation", die bisweilen (gar) als
strategisches entscheidungszentrum erscheint, bisweilen (nur) als
transmissionsriemen. iom ist sowohl denkfabrik als auch erfüllungsgehilfe,
ihr apparat fungiert als beratungsinstitut wie auch als
beobachtungsinstrument. iom arbeitet mit regierungen und grenzpolizeien
zusammen, versucht aber insbesondere auch, verschiedenste
nichtregierungsorganisationen einzubinden. insbesondere letzteres kann in
frage gestellt werden, wenn es gelingt, die programme und projekte der iom
als das zu denunzieren, was sie im kern immer sind: migrationskontrolle -
und regulierung, zerschlagung der fluchtwege, bekämpfung der "illegalen",
selbstbestimmten migration.

auf der webseite (www.noborder.org/iom) sind mittlerweile zahlreiche
informationen gesammelt, die ein erstes bild von der dimension und den
unterschiedlichen bereichen ergibt, in die iom weltweit involviert ist. ob
"rückkehrprogramme" hier in deutschland oder "aufklärungs-" bzw.
abschreckungskampagnen in sangatte oder rumänien, ob rekrutierungsprojekte
in ecuador oder lagerverwaltung in nauru, ob grenzaufrüstung in der ukraine
oder migrationsbeobachtung in kasachstan... iom taucht in immer mehr
projekten in unterschiedlichsten rollen auf, und gerade in osteuropa sehr
häufig unter dem deckmantel der "bekämpfung des menschen- bzw.
frauenhandels".



Flugblatttext zu iom, der bislang nur in englisch gedruckt und verteilt
worden war...

(vorspann)
1) gemma kam ohne große probleme mit dem pass ihrer schwester von den
philippinen nach england. diese war bereits vor vier jahren "illegal"
augewandert, hatte sich als hausmädchen in london durchgeschlagen und in
zusammenarbeit mit einer unterstützungsgruppe der "domestic workers"
schließlich ihre legalisierung erstritten.

(2) karim hatte nicht da´mit gerechnet, dass ihm die leute in tarifa so gut
weiterhelfen würden. er hatte kaum geld , als er aus algerien abhaute, die
überfahrt auf der patera war gefährlich, doch jetzt war er bei freunden in
paris.

(3) die familie surani mußte, nachdem sie endllich den iran richtung türkei
verlassen hatten, den umweg über kiew nehmen, um nach hamburg zu gelangen.
die schlepper waren teuer, aber fair, die zwei kinder reisten zum halben
preis quer durch osteuropa.

(4) li schaffte es beim zweiten versuch im schnellboot über den kanal von
otranto und ist heute einer der berühmten "7000 unsterblichen chinesen von
florenz". in der diese zahl umfassenden legalen community wurde nie ein
todesfall gemeldet - warum sollte man auch ein gültiges aufenthaltspapier
verfallen lassen?


warum das noborder-netzwerk eine kampagne gegen die iom (international
organisation for migration) gestartet hat...


freedom of movement against/versus global migration management

schon europol schätzt, dass es jedes jahr 500.000 menschen gelingt,
unkontrolliert oder "illegal" die grenzen von schengen-europa zu überqueren.
migrantInnen bezwingen oder überlisten die vermeintliche festung europa, mit
unterstützung ihrer netzwerke und communities oder unter zuhilfenahme
kommerzieller fluchthelfer.
zweifellos: zahllose migrantInnen scheitern an den außengrenzen und deren
zunehmender vorverlagerung in den osten und den süden. sie verzweifeln in
kiew oder tanger, sie ersticken im container oder ertrinken im mittelmeer
... sie bleiben auf der strecke, im wahrsten sinne des wortes. sie werden zu
opfern eines brutalen, europaweit koordinierten migrationsregimes.
dennoch: die autonomie der migration konnte damit nicht gebrochen, der
"kampf gegen die illegale migration", das räumt selbst der zuständige
eu-komissar antonio vitorino ein, kann von den behörden nicht gewonnen
werden. und was nicht verhindert, so vitorino weiter, müsse wenigstens
gesteuert werden.
die ausbeutung illegalisierter arbeitskräfte ist in allen eu-ländern
immerschon eine geduldete oder gar geförderte praxis. schließlich würden
einige wirtschaftsbereiche regelrecht kollabieren, wenn nicht rechtlose und
damit billige arbeitsmigrantInnen zur vefügung stehen.
border- und migrationsmanagement sind nun die aktualisierten zauberworte
"moderner" migrationspolitik.
weitaus flexibler als bisher sollen methoden kombiniert werden, die
gleichermaßen abschottungs- und abschiebeprogramme gegenüber den
"unerwünschten" wie auch kontrollierte rekrutierung und selektion der
"nützlichen" beinhalten.


iom - transnationale agentur des migrationsmanagements

ob es um sogenannte rückführungsprogramme aus europa z.b. nach afghanistan
geht oder um grenzaufrüstungsprojekte im baltikum oder in der ukraine, ob es
um die zerschlagung der fluchtrouten aus dem kaukasus geht oder um brutalste
lagerverwaltung auf der pazifischen insel nauru, ob es um die rekrutierung
von arbeitskräften aus ecuador für spanien geht oder aus den asiatischen
ländern nach finnland... immer öfter taucht in diesen programmen der gleiche
name auf, sei es als think-tank oder wegbereiter, sei es als
transmissionsriemen oder erfüllungsgehilfe: iom!
die iom mit hauptsitz in genf wurde 1951 im zeichen des kalten krieges von
den westlichen aliierten gegründet und anfänglich als gegenorganisation zum
unhcr konzipiert. iom ist eine rasch wachsende und immer komplexer werdende
intergovermental organisation, die heute von 93 mitgliedstaaten finanziert
wird und weltweit über 19 koordinationszentren sowie 100 field-offices
verfügt. den sozialen und ökonomischen erfordernissen der globalisierung
mittlerweile bestens angepaßt beschreibt iom sich selbst als "die führende
internationale organisation des migrationsmanagements".
als zentrale legitimationsschiene bedient sich iom dabei dem "kampf gegen
frauen- und menschenhandel" und versucht mit entsprechenden projekten
verschiedenste ngos in ihre arbeit einzubinden.
dies kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihre programme und
projekte immer die gesamte "illegale migration" im visier haben und damit im
kern auf die autonomie, auf jegliche selbstbestimmtheit der migration
zielen.


iom - zunehmend im fadenkreuz der kritik?

iom war bislang eine wenig bekannte, eher im hintergrund wirkende
organisation, an deren projekten jedoch in jüngster zeit immer mehr kritik
aufkommt.
der roma national congress in hamburg bezeichnet die iom wegen ihrer
rückführungsprogramme als "enemy of the rom".
in australien beschuldigt amnesty international und die grünen die iom des
bruchs der genfer flüchtlingskonvention und in einem bbc-film wird deren
rolle bei der brutalen lagerverwaltung auf nauru eindrücklich dokumentiert.
der britische refuge council kritisiert iom wegen des aktuellen
rüchführungsprogramms nach afghanistan.
frauen-ngos sehen sich funktionalisiert oder finanziell abhängig gemacht in
anti-trafficking-programmen der iom.
und schließlich hat das europaweite antirassistische netzwerk "noborder" nun
eine "campaign to combat global migration management" gestartet. im
mittelpunkt steht dabei der koordinierte protest gegen iom und rund um den
13. oktober 2002, einem internationalen aktionstag for freedom of movement,
kam es zu ersten gemeinsamen aktivitäten. in helsinki, wien, paris und
berlin sahen sich die iom-büros mit direkten protestaktionen konfrontiert,
aber auch in warschau, kiew und moskau, in london sowie rom haben
noborder-aktivistInnen iom erstmals zum öffentlichen thema gemacht.

die internationale kampagne gegen iom beinhaltet nicht allein die chance,
einen aktuellen begriff des modernisierten migrationsregimes zu gewinnen.
sie zielt längerfristig auf die direkte blockierung von projekten der
kontrolle, abschiebung und ausgrenzung, die solche agenturen des
migrationsmanagements global voranzutreiben versuchen.

weitere informationen: www.noborder.org | www.aktivgegenabschiebung.de 
contact: iom@noborder.org

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